Einzigartiges
„Naokieksel“
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Münster. Dr. Klaus-Werner Kahl
aus Riesenbeck ist nicht nur ein erfolgreicher Maschinenbau-Ingenieur,
sondern hat sich auch als Grundlagenforscher des Münsterländer Platt
einen Namen gemacht. Ausdruck seiner besonderen Fähigkeiten war vor
einigen Jahren das Wörterbuch des Münsterländer Platt, das unter
Sprechern, Verstehern und Bewunderern der niederdeutschen Sprache
begeisterte und – wie das rund um Münster immer so ist – auch
kritisch- weiterführende
Aufnahme fand.
Autor Dr. Klaus-Werner Kahl (l.) und Aschendorff-Buchverlagsleiter Dr. Dirk F. Paßmann blättern im neuen plattdeutschen "Naokieksel" (Lexikon). (Foto: -loy-) |
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Nun jedenfalls
hat Klaus-Werner Kahl erneut ein Fleißwerk vollendet und ein ebenso
originelles wie vielseitiges plattdeutsches Lexikon herausgegeben. Um den
Inhalt dieses Buchs mit seinen 288 Seiten und 1650 Bildern auf den Punkt zu
bringen, greift man am besten auch zur plattdeutschen Sprache: „Düt platdüütske
Naokieksel is riek met farwige Beller uutstaffeert un beschriw besunners dat
Mönsterland met sine Geschicht, sine Kiärspels, Düorper und Stiäden, met
dat Bekikenswäde, sine Diers und Planten un graute Süöns un Döchter.“ VON
JOHANNES LOY, MÜNSTER 12 · 12 · 2008
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Rheiner Ems-Report vom 2. November 2008 |
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Internetauszug aus Pressebericht der Münsterschen Zeitung Neuenkirchen/Wettringen vom 13. September 2008 |
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Ibbenbüren Volkszeitung vom 3. April 2008 |
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Neue Osnabrücker Zeitung |
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IVZ vom 27. Oktober 2007 |
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Borkener Zeitung, 10. April 2006 |
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Beitrag in den Westfälischen Nachrichten, Münster, am 18. Januar 2005 |
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Beitrag in den Westfälischen Nachrichten, Münster, am 17. Januar 2004 |
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Beitrag in den Westfälischen Nachrichten, Münster, zu Pfingsten am 9. Juni 2003 |
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Beitrag aus der Münsterschen Zeitung vom 20. November 2003 |
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Quickborn - Zeitschrift für plattdeutsche Sprache und Literatur 90. Jahrgang * Heft 4 * 2000, Seite 45 bis 48 |
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Rezensionen
Werk eines Kenners und Liebhabers
Selbst wenn es mit den neuen technischen Ordnungs- und Katalogisierungsmöglichkeiten eine Konjunktur für Wörterbücher geben sollte (mindestens im westfälischen Sauerland gibt es z.B. seit 1997 von Ludwigsen und Höher ein dem hier besprochenen vergleichbares Werk), so muß das hier angezeigte ansehnliche, allerdings bildlose Buch jeden Verteidiger, Freund und Interessenten des Niederdeutschen beeindrucken. Endlich hat man ein Wörterbuch vor sich, das auch für das wichtige Münsterland-Plattdeutsch als eine eigene Sprache umfassend präsentiert und das es jetzt erlaubt, in einem Wörterbuch nachzuschlagen, wenn man ins und wenn man aus dem (münsterländischen) Plattdeutschen übersetzen will. Man hat ein Buch für den schlichten Alltagsgebrauch und für Leute, die sich dem Niederdeutschen als Fremdsprache nähern. Wenn Dialektwörterbücher sonst oftmals vorzugsweise vom Normalton Abweichendes zu verzeichnen belieben und gleichsam eine zweite und dritte Welt in ferne Aussicht stellen - wofür nicht nur das „Wörterbuch deutscher Dialekte“ von Ulrich Knoop aus dem Bertelsmann-Verlag 1997 eine Art Musterbeispiel ist, sondern auch das (ganz andere) nützliche „Kleine(s) Wörterbuch des Münsterländer Platt“ von Walter Born aus dem Regensberg-Verlag in Münster 1979/90 -, so haben wir hier den neuartigen Versuch eines vollständigen Wörterbuchs, das – dreispaltig - am ehesten an den „Duden“ anknüpft und in dem auch Wörter wie „ich“, „haben“ oder „sein“ - dieses in seiner doppelten Funktion und Bedeutung in plattdeutscher Entsprechung zu finden sind. Es geht nicht ums Besondere und Ausgefallene, sondern um die ganze plattdeutsche Sprache des Münsterlandes. Freilich, es finden sich dann im plattdeutschen Teil zwar „sien“ und „häbben“ - wozu „sick häbben“ als Redewendung unauffällig eingefügt ist -, aber „icke“ fehlt dort überraschenderweise. Daß zu „sein“, das als unregelmäßiges Zeitwort richtig erscheint, sowohl im platt- wie im hochdeutschen Teil die Wortart für mit VW (= Verhältniswort) angegeben ist, ist natürlich nichts als ein ärgerlicher Druckfehler, der bei dieser großen Unternehmung eines ehrgeizigen Einzelkämpfers trotz fleißiger und offenbar tüchtiger Helfer nicht verwundern kann. Während es als störend auffällt, verweist es auf die ungeheure Menge von Details, die hier bewältigt werden mussten. Denn was ist nicht alles gegeben in diesem Wörterbuch: Silbentrennung, Aussprache, Redewendungen, Mehrzahl- oder Konjugationsformen oder - wie oben dann auch einmal falsch - Wortarten. Man hält eine umfassende Grundinformation über das Platt des Münsterlandes in der Hand, die man sogar je nach Bedingungen von der hoch- oder niederdeutschen Seite her angehen kann. Die Korrespondenz der Wörter ist so elementar als Grundinformation angelegt, daß sie in keiner Richtung große Schwierigkeiten zu machen scheint, mir leuchten sie jedenfalls ein. Ich möchte also auf gar keinen Fall das große Unternehmen und die bedeutende Leistung kleinreden oder wichtigtuerisch kritisieren. Der Verfasser hat seine Anschrift auf dem Vorsatzblatt mitgeteilt, und richtig gut wäre es, wenn sein Buch weiteste Verbreitung fände und ihm jeder stehen gebliebene Fehler für eine zweite (und weitere) Auflagen mitgeteilt würde. Denn nichts ist natürlich damit getan, daß Kontrastprogramme auf den Markt gebracht werden, mit denen Anderes und Neues entworfen und begonnen würde und neue Fehler gemacht. Wünschenswert wäre deshalb, daß das hier Fertige bis zur möglichen Perfektion gebracht würde. Klaus-Werner Kahls Münsterländer Duden hätte das - wenn man alles in allem nimmt - als ein Werk verdient das geeignet ist, das Plattdeutsche in seinem Wortbestand weit und breit zu repräsentieren. Der Grundgedanke und das Geleistete sind vorzüglich die investierte Arbeitsenergie ist schlicht bewundernswert. Der promovierte Maschinenbauingenieur Klaus-Werner Kahl macht uns Geistes- und Sprachwissenschaftlers vor an einem eigentlich so naheliegenden Beispiel und auf eine Weise, die uns nachdenklich stimmen sollte, was als Grundlegendem zu tun und zu schaffen bisher unterlassen worden ist trotz der beiden schönen plattdeutschen Wörterbücher des Bremer Instituts und trotz der großen, aber bisher noch längst nicht vollständigen umfassenden Dialektwörterbücher. Vielleicht braucht man zu solch elementaren Grundbüchern, wie wir hier jetzt eines haben fürs nördliche Westfalen, eine Unbefangenheit, die der Liebhaber haben kann, die den Sprachwissenschaftler aber abhanden kommt, je mehr er seine Sache versteht. Augustin Wibbelt, unser großer westfälischer Schriftsteller schrieb z.B. einen Roman „De Järfschopp“, Kahl verzeichnet im hochdeutschen Teil „Iärwschup“ und gib den Plural „Iärwschuppen“. Die I-J Frage muß entschieden werden, eine Entscheidung für eine Endung mit „o“ oder „u“ gefällt. Das einfache „p“ stammt aus Kahls Schreibregeln. Je mehr man gelesen und gelernt hat um so schwieriger wird es, die Sache im ganzen und in den Einzelheiten zu entscheiden; denn - scheint mir - eine für jedermann einleuchtend richtige Entscheidung gibt es - aus geographischen, historischen, individuellen und anderen Gründen - eben nicht. Die Nationalsprachen sind etabliert ihre Grundform ist an allen Punkten festgelegt. Um Veränderungen wird - wie bei der sog. „Rechtschreibreform“ - sichtlich nur noch aus persönlichem Machstreben vor eindeutig fixiertem Hintergrund gestritten. Der Wissenschaftler wird sich in den noch nicht fixierten Sprachen, die er bloß erforscht, schwerer tun müssen, kaum vorwagen, um eine Entscheidung zu treffen, die seine Kollegen dann leicht anfechten könnten. Er wird statt dessen lieber greifbare Autoren zitieren oder ggf. phonetisches Material. Die plattdeutsche Sprache dokumentieren kann er so nicht; denn das Material wächst mit den Dörfern, die verschieden sprechen, mit den Schriftstellern, die verschieden schreiben, und mit den Individuen, die verschiedene Interessen haben, ins Unendliche. Daß dennoch Niederdeutsche sich verstehen und daß man dennoch niederdeutsche Literatur über den ganzen Sprachraum hinweg leicht lesen kann (bei gutem Willen), zeigt, daß es trotzdem eine Grundsubstanz gibt. Und Klaus-Werner Kahl muß man konzedieren, daß sein Wörterbuch für jeden unbefangen Zusehenden, diese Substanz gefasst und dargestellt hat. Wie positiv Kahls Unternehmen bewertet werden muß, zeigen - mir jedenfalls - alle Vergleiche, die ich - en passant - angestellt habe. Auch wenn überall Probleme in Hülle und Fülle bleiben, sind die Problemlösungen und Ansätze bei Kahl immer eindrucksvoll. Ulrich Knoop hat fürs West- (wie fürs Ost-) Niederdeutsche „Schwiegersohn“ und „Schwiegertochter“ in dieser Form. Kahl hat für den „Sohn“ den „Dochterman“ (wobei das nur eine und gleichsam englische „n“ zu seinen Schreibregeln gehört), während z.B. Born in seinem kleinen Wörterbuch nur das anders einzuordnende „Dochterkind“, die Enkelin, verzeichnet hat, das sich bei Kahl neben dem Dochterman in seinem plattdeutschen Verzeichnis auch findet. Gewiß: die ganze Fülle der Zusammensetzungen, die das Hochdeutsche bietet, fehlen auch bei Kahl noch, die Schwiegereltern, -töchter usw. Ein Wort wie „schuften“ ist farbenreicher. Es findet größeres Interesse als der z.B. in Verwandtschaftsbezeichnungen bereits dauerhaft kulturell organisierte Alltag. Knoop verzeichnet fürs Westniederdeutsche zum hochdeutschen „Schuften“...: „malochen, ackern, ranklotzen, knojen, puckeIn.“ Kahl bietet anders: „bälgen, bolwiärken, knüörn, wullacken“, wovon Born in seinem kleinen Wörterbuch nur das „bollwiärken“ (mit doppeltem „I“) und das „knüörn“, dieses aber als „kneten“, hat, das Kahl seinerseits nur als „kniäden“ verzeichnet. In Kahls plattdeutschem Teil bleibt er für „knüörn“ bei „hart Arbeiten“ und für „kniäden“ bei „kneten“. Interessanter ist es, wenn man bei Kahl zu Gefühlen nachschlägt, etwa, daß hochdeutsch „hinterlistig“ nicht nur „iäterbiëtsk“ heißen kann, sondern auch „nückelig“. Wenn der „hinterlistige Mensch“ „Fieslänner“ heißt oder „hinterlistig sein“ als „de Kat in Düüstern knipen“ vorgestellt wird, dann sieht man, welch einfühlsamer Mann sich hier des Plattdeutschen angenommen und bemächtigt hat. Seine Übersetzungen aus dem Hochdeutschen auf dem Feld der Gefühle sind ein Genuß, könnten seitenlang zitiert werden und machen es allein wert - auf jeden Fall als absolutes Muß für jeden plattdeutschen Schriftsteller! -, das Wörterbuch zu kaufen und zu lesen. Wenn man nicht nur ahnen, sondern sehen möchte, was man am Plattdeutschen immer noch hat und was mit ihm verloren geht, wenn man es vergisst, muß man Kahls Wörterbuch lesen! Auf keinen Fall übersehen und vergessen darf man also dieses Wörterbuch, dem der Aschendorff-Verlag zu Recht eine hübsche und stattliche Form und eine hoffnungsfreudige Farbe gegeben hat. Es war wichtig, den Versuch zu machen, das ganze Plattdeutsche der Region mit dem ganzen Hochdeutschen in Vergleich zu setzen, Zeitangaben, Zahlwörter und unregelmäßige Verben aufzuführen, als ob man es mit einer Fremdsprache zu tun hätte, die erlernbar und zu erlernen ist. Dabei ist dann ein Wörterverzeichnis vorgelegt worden, das im Ansatz und prinzipiell allen Ansprüchen genügt, auch wenn es erst in der Ferne Vollständigkeit anzielen kann. Klaus-Werner Kahl, Wörterbuch des Münsterländer Platt, - Hochdeutsch - Plattdeutsch, Plattdeutsch - Hochdeutsch, Mit Regeln für die plattdeutsche Rechtschreibung, Münster: Aschendorff, 400 Seiten, 39,80 DM. Franz Schüppen
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Westfälische Nachrichten |
Mittwoch, 15. November 2000
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KREIS STEINFURT
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Münsterländer Platt 400 Seiten, 39,80 Mark Der Autor mag's bescheiden von sich weisen, aber mit seinem "Wörterbuch des Münsterländer Platt" legt Klaus-Werner Kahl tatsächlich den ersten plattdeutschen Duden vor. Mit dem gleichen Anspruch, den das Mannheimer Standardwerk stellt: verbindliche Rechtschreibregeln festzulegen. Da ist zwar völlig neu, aber nicht unproblematisch, weil die Geschichte der plattdeutschen Sprache in erster Linie die Geschichte gesprochener Sprache ist. Zwar hat es immer wieder Versuche gegeben, für das regional sehr unterschiedlich gefärbte Platt eine verbindliche Rechtschreibung zu finden, aber selbst Walter Born ("Kleines Wörterbuch des Münsterländer Platt") beläßt es bei Vorschlägen zur Rechtschreibung. Klaus-Werner Kahl nun legt erstmals Regeln für das im Münster- land gesprochene Plattdeutsch fest. Und weil er sie (in Absprache mit der Kommission für Mundart- und Namenforschung in Münster) sehr konsequent anwendet, verzichtet er auf die Konsonanten- verdoppelung nach kurzem Vokal; eine der grundlegenden (hoch- deutschen) Rechtschreibregeln überhaupt. So wird aus Plattdeutsch mit zwei "t" Platdüütsk mit nur einem. Neu und ebenfalls erstmals in einem Wörterbuch für das Münsterland vorgelegt wird ein Wör- terverzeichnis Hochdeutsch - Plattdeutsch. Es enthält rund 16 000 Stichwörter und Redewendungen, von denen aber einige bei den Sprachbewahrern ebenfalls für zwiespältige Reaktionen sorgen werden. Oder darf man das Sprachvokabular einer Sprache durch Zwangsübersetzungen anreichern wie diese, in der aus Computer ein Diskriäker wird und aus Staubsauger ein Hüülbessen? Trotz mancher Entscheidungen, über die sich trefflich streiten läßt, bleibt dieses Verdienst des Autors aus Riesenbeck aber un- streitbar: Sein Wörterbuch legt den Grundstock für eine wissen- schaftliche und zugleich alltagspraktische Auseinandersetzung mit der alten Sprache des Münsterlandes, die im Begriff ist, sich aus der Lebenswirklichkeit immer mehr in die Bücherwelt zurückzuziehen. Auch deshalb ist Kahls Wörterbuch schon jetzt auf dem besten Weg zum Standardwerk. Hans Lüttmann |
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| Abschrift aus: |
| Landwirtschaftliches
Wochenblatt Westfalen - Lippe 19. Oktober 2000
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| Was ist ein "Koschitenflännerkawel"? Ein neues "Wörterbuch des Münsterländer Platt" gibt die Antwort - für diesen und 16 000 weitere Begriffe |
| Das hat nicht einmal die jüngste Rechtschreibreform
geschafft: Auf gerade einmal zwölf Regeln kann Klaus-Werner Kahl die
richtige Schreibweise des Plattdeutschen begrenzen - "Ausnahmen sind nicht
erforderlich", heißt es klar und eindeutig in dem soeben erschienenen
Wörterbuch des Münsterländer Platt (Aschendorff- Verlag,
Münster, 39,80 DM). Der Autor Klaus-Werner Kahl, Ingenieur und Heimatfreund
aus Hörstel-Riesenbeck hat das Wörterbuch in 15-jähriger
Kleinarbeit zusammengetragen. Fachliche Beratung erhielt er von Professor
Hans Taubken, dem Leiter der Kommission für Mundart- und Namenforschung
Westfalens beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
Die zwölf Schreibregeln zum Plattdeutschen eröffnen das 399 Seiten umfassende, gediegen erarbeitete Wörterbuch. In ihm kann man für rund 16 000 hochdeutsche Begriffe nachschlagen, wie sie "up Plat" heißen. Umgekehrt kann man eine gleich große Zahl plattdeutscher Begriffe nachschlagen. Daß das Plattdeutsche mit hochdeutschen Ausdrücken "überfremdet" sei, beklagt Kahl im Vorwort. Blättert man freilich im Lexikon, so erfährt man recht schnell, daß das Platt immer schon Fremdwörter aufgenommen hat: vom "Paraplü" (Regenschirm) über das "Schamies" (Vorhemd, Hemdkragen) bis zum Perron (Bahnsteig). Warum sollten da jetzt keine neuen Wörter hinzukommen? Auch eingefleischten Platt-Kennern und -Sprechern dürfte das Wörterbuch noch manche Überraschung bereithalten. Denn wer wüßte schon auf Anhieb, was ein "Gnesebuk", ein "Splaithüüsken" oder ein "Koschitenflännerkawel" ist? Übrigens bestätigt das Blättern im Wörterbuch, was viele immer schon geahnt haben: Das münsterländische Platt kennt bemerkenswert viele Begriffe für "betrunken": vom einfachen "besuopen" über "beswiëmelt" und "machül" bis hin zu "dicke", "kodicke", "dritendicke" und "strumpeldicke" - das ist auf Hochdeutsch wohl nur noch mit "Filmriß" zu übersetzen. Neben der Bedeutung kann im Wörterbuch auch nachgeschlagen werden, wie der Plural der Wörter gebildet wird und wie sie in Silben getrennt werden. Zeit und Zeitangaben, Zahlwörter und Rechnen auf Platt sowie eine umfassende Tabelle zur Konjugation der unregelmäßigen Verben beschließen den Band. Kurzum: Was dem Hochdeutschen der "Duden" ist der "Kahl" für die plattdeutsche Sprache - zumindest für die des Münsterlandes. Zum Schluß sei für alle, die es sofort wissen wollen, hinzugefügt: Ein "Gnesebuk" ist laut Wörterbuch jemand, der vor Schadenfreude grinst. Das "Splaithüüsken" ist eine Holzwerkstatt, in der Kornwannen hergestellt werden und hinter dem "Koschitenflännerkawel" verbirgt sich nichts anderes als der gemeine Mistkäfer". Str. |
| Hier können Sie sich das Original ansehen. > LW |
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Emsdettener Tageblatt vom 8. November 2000 |