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Een Päcksken Naokieksel

Rezension über "KAHLs platdüütske Naokieksel" in Quickborn - Zeitschrift für plattdeutsche Sprache und Literatur von Hans-Joachim Meyer, Heft 1/2009

Hier ist die gesamte plattdeutsch geschriebene Rezension von Hans-Joachim Meyer als pdf-Datei zu finden.

Am Ende resümert er (im Folgenden übersetzt): "Ich mache ja nicht gerne große Worte, aber mir scheint. dieser plattdeutsche Brockhaus wird seinen festen Platz in der niederdeutschen Literaturgeschichte bekommen. Nur dass er sich "Naokieksel" nennt, ist stark untertrieben."

    

Platt beim Einkauf rettet Sprache              

 

Zahlreiche Besucher erlebten den Eröffnungsvortrag von Dr. Klaus-Werner Kahl (Bild), der der Frage nachging: „Is dat Platdüütsk nao to redden?“                                        Fotos: (swb)

 

Gronau - Plattdeutsch, einst die Kultursprache Nordeuropas, wird jetzt in Westfalen zumeist nur noch im ländlichen Raum gesprochen. Dabei ist es eine wunderbare Sprache, wie Günter Vaartjes am Samstag im Drilandmuseum zur Eröffnung der Ausstellung „Plattdeutsch macht Geschichte“ meinte. Auf Platt könne man manches sagen, mit dem man auf Hochdeutsch anecken würde, gab der Heimatvereins-Vorsitzende zu bedenken. Dennoch wird allenthalben der Niedergang des Plattdeutschen beklagt. Und so fragte Referent Dr. Klaus-Werner Kahl - sicher auch im Sinne der zahlreichen Anwesenden: „Is dat Platdüütsk nao to redden?“


In seinem Vortrag schlug er einen Bogen von der fernen Vergangenheit, als das Platt oder auch Niederdeutsche die Handelssprache im großen Wirtschaftsraum der Hanse war, bis in die Gegenwart. Für die heutige Zeit konstatierte er, dass Platt im Grunde keine Muttersprache respektive Alltagssprache mehr sei. Dass sie an Küernachmittagen zwar noch gepflegt werde, bei Veranstaltungsende aber alle wieder ins Hochdeutsche verfielen, so seine Erfahrung aus Riesenbeck, wo der Maschinenbau-Ingenieur und Chemiker wohnt. Seine Freizeit widmet Kahl dem Plattdeutschen. Bislang hat er ein „Wörterbuch des Münsterländer Platt“ sowie eine plattdeutsche Enzyklopädie über Orte und Natur Westfalens, „Kahls platdüütske Naokieksel“, veröffentlicht.

Trotz aller Unkenrufe gab Kahl sich optimistisch, was den Erhalt der plattdeutschen Sprache angeht. Er legte den Anwesenden ans Herz, so viel wie möglich Platt zu sprechen, etwa beim Einkaufen. Durch Sprechen könne man die Sprache retten, und die Leute würden häufig mehr verstehen, als man glaubt, erklärte er. Aber auch Theaterstücke auf Platt sollten unterstützt werden, um so auch jungen Leuten die Freude an der Sprache zu vermitteln. Darüber hinaus empfahl er, auf Platt zu singen.

Dem kam der Singkreis unter der Leitung von Reiner Liedtke gern nach. Mehrere Lieder, darunter „Ann Pütt vüör usser Dörpken“, als „Am Brunnen vor dem Tore“ auf Hochdeutsch wohl besser bekannt, brachte der Chor zu Gehör. Heitere Geschichten westfälischer Heimatdichter wie Augustin Wibbelt und Anton Aulke sowie dem Gronauer „Eigengewächs“ Wilm Böltken wurden von Hilde Lammers, Margret Schadwinkel und Wilhelm Bilke vorgetragen.

Die aus Texttafeln bestehende Ausstellung zur Entwicklung des Plattdeutschen wurde vom Stadtmuseum Münster übernommen, wo sie in umfangreicherer Form bereits Anfang des Jahres zu sehen war.

» Die Ausstellung ist bis zum 17. Mai samstags und sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr und vom 27. März bis 15. Mai freitags in der Zeit von 17 bis 18 Uhr geöffnet.

VON SIGRID WINKLER-BORCK, GRONAU

 

23 · 03 · 2009

 

Renzension für Amazon.de

Michael Kleerbaum, Erle, schreibt über KAHLs platdüütske Naokieksel: 

Astreines Werk münsterländischer Mundart, 14. Februar 2009

Und wieder hat Dr. Kahl ein neues Werk geschrieben, das dazu dienen wird, unsere münsterländische Mundart nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Nach seinem, in meinen Augen, sehr gutem Wörterbuch hat Dr. Kahl nun zum ersten Mal ein Lexikon herausgebracht. Und alle im Münsterländischen Plattdeutsch. Nicht nur interessant für diejenigen, die diese Sprache bereits fließend sprechen sondern vor allem auch für die Anfänger und Quereinsteiger. Lässt sich das Münsterländer Platt doch in meinen Augen herrlich an den vielen Einträgen und Fotos dieses Lexikons erlernen bzw. vervollständigen. Fazit: Grandioses Werk, das mit viel Liebe und Mühe geschrieben und zusammengestellt wurde.

Plattdeutsch für alle Lebensbereiche

Dr. Klaus-Werner Kahls "Naokieksel" ist eine echte Fundgrube

Hier der Bericht aus der Ibbenbürener Volkszeitung vom 10. Januar 2009

Einzigartiges „Naokieksel“

Münster. Dr. Klaus-Werner Kahl aus Riesenbeck ist nicht nur ein erfolgreicher Maschinenbau-Ingenieur, sondern hat sich auch als Grundlagenforscher des Münsterländer Platt einen Namen gemacht. Ausdruck seiner besonderen Fähigkeiten war vor einigen Jahren das Wörterbuch des Münsterländer Platt, das unter Sprechern, Verstehern und Bewunderern der niederdeutschen Sprache begeisterte und – wie das rund um Münster immer so ist – auch kritisch- weiterführende Aufnahme fand.

 

 

 

 

Autor Dr. Klaus-Werner Kahl (l.) und

Aschendorff-Buchverlagsleiter Dr. Dirk F.

Paßmann blättern im neuen plattdeutschen

"Naokieksel" (Lexikon).

(Foto:  -loy-)

Nun jedenfalls hat Klaus-Werner Kahl erneut ein Fleißwerk vollendet und ein ebenso originelles wie vielseitiges plattdeutsches Lexikon herausgegeben. Um den Inhalt dieses Buchs mit seinen 288 Seiten und 1650 Bildern auf den Punkt zu bringen, greift man am besten auch zur plattdeutschen Sprache: „Düt platdüütske Naokieksel is riek met farwige Beller uutstaffeert un beschriw besunners dat Mönsterland met sine Geschicht, sine Kiärspels, Düorper und Stiäden, met dat Bekikenswäde, sine Diers und Planten un graute Süöns un Döchter.“

2001 fing Kahl mit seiner Fleißarbeit an, sammelte zunächst die Informationen über Dörfer und Städte des Münsterlandes als Gerüst und baute dann Artikel über Land und Leute, Denker und Dichter, Blumen und Pflanzen sowie allerlei sachkundliche Themen hinzu. Es würde den Autor natürlich freuen, wenn neben den Heimatvereinen und Theatergruppen auch die Kinder des Münsterlandes in den Schulen auf dieses Lexikon neugierig werden.

Klaus-Werner Kahl: Kahls platdüütske Naokieksel. Verlag Aschendorff, Münster, 288 Seiten, 1650 Bilder, 24.80 Euro.

VON JOHANNES LOY, MÜNSTER

12 · 12 · 2008

 

Rheiner Ems-Report vom 2. November 2008

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Michael Kleerbaum, Erle, schreibt über das Wörterbuch des Münsterländer Platt:

Standardwerk? Fast..., 5. Oktober 2008

Für die Leute, die "Münsterländer Platt" sprechen ist dieses Buch tatsächlich das Standardwerk, es gibt ja nichts anderes vergleichbares. Leider bin ich etwas enttäuscht darüber, dass der Autor nicht so detailliert auf gerade meinen Teil des Münsterlandes eingegangen ist. Zum schnellen Nachschlagen ist das Buch für mich aber trotzdem sehr gut geeignet (Es stellt die beiden Sprachen in beiden Richtungen gegenüber), um dann im "Wörterbuch der westmünsterländischen Mundart" die für mein Dorf richtige Schreibweise nachzuschlagen, die sich teilweise erheblich von der in diesem Buch dargestellten unterscheidet. Ansonsten finde ich das Wörterbuch absolut gelungen und dem Autor ist mein Dank ob seinem Dienst an der Erhaltung meiner Heimatsprache sicher.

 

Renzension für Amazon.de

 

Bernd Nienhaus, Niederkrüchten, schriebt über das Wörterbuch des Münsterländer Platt:

Für Münsterländer und andere Plattdeutsche ein absolutes Muss!, 6. September 2006

Für an der Plattdeutschen Sprache Interessierte - insbesondere des Münsterlandes - ist dieses als Standardwerk zu bezeichnende Wörterbuch ein Muss. Eine große Hilfe für Heimat- und Sprachforscher ist vor allem die gelungene Lautschrift. Schwerpunkt bei der Wörtersammlung liegt im Zentralmünsterland.

 

     Hier ist der ganze Artikel zu finden

Internetauszug aus Pressebericht der Münsterschen Zeitung Neuenkirchen/Wettringen vom 13. September 2008

Ibbenbüren Volkszeitung vom 3. April 2008

   

 Neue Osnabrücker Zeitung

  

 IVZ vom 27. Oktober 2007

Borkener Zeitung, 10. April 2006

 

Beitrag in den Westfälischen Nachrichten, Münster, am 18. Januar 2005

Beitrag in den Westfälischen Nachrichten, Münster, am 17. Januar 2004

Beitrag in den Westfälischen Nachrichten, Münster, zu Pfingsten am 9. Juni 2003

Beitrag aus der Münsterschen Zeitung vom 20. November 2003

Abschrift aus:
Quickborn - Zeitschrift für plattdeutsche Sprache und Literatur
90. Jahrgang    *    Heft 4    *     2000, Seite 45 bis 48

Rezensionen 

Werk eines Kenners und Liebhabers 
  Selbst wenn es mit den neuen technischen Ordnungs- und Katalogisierungsmöglichkeiten eine Konjunktur für Wörterbücher geben sollte (mindestens im westfälischen Sauerland gibt es z.B. seit 1997 von Ludwigsen und Höher ein dem hier besprochenen vergleichbares Werk), so muß das hier angezeigte ansehnliche, allerdings bildlose Buch jeden Verteidiger, Freund und Interessenten des Niederdeutschen beeindrucken. Endlich hat man ein Wörterbuch vor sich, das auch für das wichtige Münsterland-Plattdeutsch als eine eigene Sprache umfassend präsentiert und das es jetzt erlaubt, in einem Wörterbuch nachzuschlagen, wenn man ins und wenn man aus dem (münsterländischen) Plattdeutschen übersetzen will. Man hat ein Buch für den schlichten Alltagsgebrauch und für Leute, die sich dem Niederdeutschen als Fremdsprache nähern.
Wenn Dialektwörterbücher sonst oftmals vorzugsweise vom Normalton Abweichendes zu verzeichnen belieben und gleichsam eine zweite und dritte Welt in ferne Aussicht stellen - wofür nicht nur das „Wörterbuch deutscher Dialekte“ von Ulrich Knoop aus dem Bertelsmann-Verlag 1997 eine Art Musterbeispiel ist, sondern auch das (ganz andere) nützliche „Kleine(s) Wörterbuch des Münsterländer Platt“ von Walter Born aus dem Regensberg-Verlag in Münster 1979/90 -, so haben wir hier den neuartigen Versuch eines vollständigen Wörterbuchs, das – dreispaltig - am ehesten an den „Duden“ anknüpft und in dem auch Wörter wie „ich“, „haben“ oder „sein“ - dieses in seiner doppelten Funktion und Bedeutung in plattdeutscher Entsprechung zu finden sind. Es geht nicht ums Besondere und Ausgefallene, sondern um die ganze plattdeutsche Sprache des Münsterlandes. Freilich, es finden sich dann im plattdeutschen Teil zwar „sien“ und „häbben“ - wozu „sick häbben“ als Redewendung unauffällig eingefügt ist -, aber „icke“ fehlt dort überraschenderweise. Daß zu „sein“, das als unregelmäßiges Zeitwort richtig erscheint, sowohl im platt- wie im hochdeutschen Teil die Wortart für mit VW (= Verhältniswort) angegeben ist, ist natürlich nichts als ein ärgerlicher Druckfehler, der bei dieser großen Unternehmung eines ehrgeizigen Einzelkämpfers trotz fleißiger und offenbar tüchtiger Helfer nicht verwundern kann. Während es als störend auffällt, verweist es auf die ungeheure Menge von Details, die hier bewältigt werden mussten. Denn was ist nicht alles gegeben in diesem Wörterbuch: Silbentrennung, Aussprache, Redewendungen, Mehrzahl- oder Konjugationsformen oder - wie oben dann auch einmal falsch - Wortarten. Man hält eine umfassende Grundinformation über das Platt des Münsterlandes in der Hand, die man sogar je nach Bedingungen von der hoch- oder niederdeutschen Seite her angehen kann. Die Korrespondenz der Wörter ist so elementar als Grundinformation angelegt, daß sie in keiner Richtung große Schwierigkeiten zu machen scheint, mir leuchten sie jedenfalls ein. 
Ich möchte also auf gar keinen Fall das große Unternehmen und die bedeutende Leistung kleinreden oder wichtigtuerisch kritisieren. Der Verfasser hat seine Anschrift auf dem Vorsatzblatt mitgeteilt, und richtig gut wäre es, wenn sein Buch weiteste Verbreitung fände und ihm jeder stehen gebliebene Fehler für eine zweite (und weitere) Auflagen mitgeteilt würde. Denn nichts ist natürlich damit getan, daß Kontrastprogramme auf den Markt gebracht werden, mit denen Anderes und Neues entworfen und begonnen würde und neue Fehler gemacht. Wünschenswert wäre deshalb, daß das hier Fertige bis zur möglichen Perfektion gebracht würde. Klaus-Werner Kahls Münsterländer Duden hätte das - wenn man alles in allem nimmt - als ein Werk verdient das geeignet ist, das Plattdeutsche in seinem Wortbestand weit und breit zu repräsentieren. Der Grundgedanke und das Geleistete sind vorzüglich die investierte Arbeitsenergie ist schlicht bewundernswert. Der promovierte Maschinenbauingenieur Klaus-Werner Kahl macht uns Geistes- und Sprachwissenschaftlers vor an einem eigentlich so naheliegenden Beispiel und auf eine Weise, die uns nachdenklich stimmen sollte, was als Grundlegendem zu tun und zu schaffen bisher unterlassen worden ist trotz der beiden schönen plattdeutschen Wörterbücher des Bremer Instituts und trotz der großen, aber bisher noch längst nicht vollständigen umfassenden Dialektwörterbücher. 
Vielleicht braucht man zu solch elementaren Grundbüchern, wie wir hier jetzt eines haben fürs nördliche Westfalen, eine Unbefangenheit, die der Liebhaber haben kann, die den Sprachwissenschaftler aber abhanden kommt, je mehr er seine Sache versteht. Augustin Wibbelt, unser großer westfälischer Schriftsteller schrieb z.B. einen Roman „De Järfschopp“, Kahl verzeichnet im hochdeutschen Teil „Iärwschup“ und gib den Plural „Iärwschuppen“. Die I-J Frage muß entschieden werden, eine Entscheidung für eine Endung mit „o“ oder „u“ gefällt. Das einfache „p“ stammt aus Kahls Schreibregeln. Je mehr man gelesen und gelernt hat um so schwieriger wird es, die Sache im ganzen und in den Einzelheiten zu entscheiden; denn - scheint mir - eine für jedermann einleuchtend richtige Entscheidung gibt es - aus geographischen, historischen, individuellen und anderen Gründen - eben nicht. Die Nationalsprachen sind etabliert ihre Grundform ist an allen Punkten festgelegt. Um Veränderungen wird - wie bei der sog. „Rechtschreibreform“ - sichtlich nur noch aus persönlichem Machstreben vor eindeutig fixiertem Hintergrund gestritten. Der Wissenschaftler wird sich in den noch nicht fixierten Sprachen, die er bloß erforscht, schwerer tun müssen, kaum vorwagen, um eine Entscheidung zu treffen, die seine Kollegen dann leicht anfechten könnten. Er wird statt dessen lieber greifbare Autoren zitieren oder ggf. phonetisches Material. Die plattdeutsche Sprache dokumentieren kann er so nicht; denn das Material wächst mit den Dörfern, die verschieden sprechen, mit den Schriftstellern, die verschieden schreiben, und mit den Individuen, die verschiedene Interessen haben, ins Unendliche. Daß dennoch Niederdeutsche sich verstehen und daß man dennoch niederdeutsche Literatur über den ganzen Sprachraum hinweg leicht lesen kann (bei gutem Willen), zeigt, daß es trotzdem eine Grundsubstanz gibt. Und Klaus-Werner Kahl muß man konzedieren, daß sein Wörterbuch für jeden unbefangen Zusehenden, diese Substanz gefasst und dargestellt hat. 
Wie positiv Kahls Unternehmen bewertet werden muß, zeigen - mir jedenfalls - alle Vergleiche, die ich - en passant - angestellt habe. Auch wenn überall Probleme in Hülle und Fülle bleiben, sind die Problemlösungen und Ansätze bei Kahl immer eindrucksvoll. Ulrich Knoop hat fürs West- (wie fürs Ost-) Niederdeutsche „Schwiegersohn“ und „Schwiegertochter“ in dieser Form. Kahl hat für den „Sohn“ den „Dochterman“ (wobei das nur eine und gleichsam englische „n“ zu seinen Schreibregeln gehört), während z.B. Born in seinem kleinen Wörterbuch nur das anders einzuordnende „Dochterkind“, die Enkelin, verzeichnet hat, das sich bei Kahl neben dem Dochterman in seinem plattdeutschen Verzeichnis auch findet. Gewiß: die ganze Fülle der Zusammensetzungen, die das Hochdeutsche bietet, fehlen auch bei Kahl noch, die Schwiegereltern, -töchter usw. 
Ein Wort wie „schuften“ ist farbenreicher. Es findet größeres Interesse als der z.B. in Verwandtschaftsbezeichnungen bereits dauerhaft kulturell organisierte Alltag. Knoop verzeichnet fürs Westniederdeutsche zum hochdeutschen „Schuften“...: „malochen, ackern, ranklotzen, knojen, puckeIn.“ Kahl bietet anders: „bälgen, bolwiärken, knüörn, wullacken“, wovon Born in seinem kleinen Wörterbuch nur das „bollwiärken“ (mit doppeltem „I“) und das „knüörn“, dieses aber als „kneten“, hat, das Kahl seinerseits nur als „kniäden“ verzeichnet. In Kahls plattdeutschem Teil bleibt er für „knüörn“ bei „hart Arbeiten“ und für „kniäden“ bei „kneten“. Interessanter ist es, wenn man bei Kahl zu Gefühlen nachschlägt, etwa, daß hochdeutsch „hinterlistig“ nicht nur „iäterbiëtsk“ heißen kann, sondern auch „nückelig“. Wenn der „hinterlistige Mensch“ „Fieslänner“ heißt oder „hinterlistig sein“ als „de Kat in Düüstern knipen“ vorgestellt wird, dann sieht man, welch einfühlsamer Mann sich hier des Plattdeutschen angenommen und bemächtigt hat. Seine Übersetzungen aus dem Hochdeutschen auf dem Feld der Gefühle sind ein Genuß, könnten seitenlang zitiert werden und machen es allein wert - auf jeden Fall als absolutes Muß für jeden plattdeutschen Schriftsteller! -, das Wörterbuch zu kaufen und zu lesen. Wenn man nicht nur ahnen, sondern sehen möchte, was man am Plattdeutschen immer noch hat und was mit ihm verloren geht, wenn man es vergisst, muß man Kahls Wörterbuch lesen! 
Auf keinen Fall übersehen und vergessen darf man also dieses Wörterbuch, dem der Aschendorff-Verlag zu Recht eine hübsche und stattliche Form und eine hoffnungsfreudige Farbe gegeben hat. Es war wichtig, den Versuch zu machen, das ganze Plattdeutsche der Region mit dem ganzen 
Hochdeutschen in Vergleich zu setzen, Zeitangaben, Zahlwörter und unregelmäßige Verben aufzuführen, als ob man es mit einer Fremdsprache zu tun hätte, die erlernbar und zu erlernen ist. Dabei ist dann ein Wörterverzeichnis vorgelegt worden, das im Ansatz und prinzipiell allen Ansprüchen genügt, auch wenn es erst in der Ferne Vollständigkeit anzielen kann. 

Klaus-Werner Kahl, Wörterbuch des Münsterländer Platt, - Hochdeutsch - Plattdeutsch, Plattdeutsch - Hochdeutsch, Mit Regeln für die plattdeutsche Rechtschreibung, Münster: Aschendorff, 400 Seiten, 39,80 DM. 

Franz Schüppen

 

Abschrift aus:
Westfälische Nachrichten

Mittwoch, 15. November 2000

KREIS STEINFURT 

KULTURELLES LEBEN

 

GELESEN

Wörterbuch des
Münsterländer Platt

Klaus-Werner Kahl: Wörterbuch des Münsterländer Platt. Mit Regeln für die plattdeutsche Recht- schreibung. Verlag Aschendorff, Münster,
400 Seiten, 39,80 Mark Der Autor mag's bescheiden von sich weisen, aber mit seinem "Wörterbuch  des Münsterländer Platt" legt Klaus-Werner Kahl tatsächlich den ersten plattdeutschen Duden vor. Mit dem gleichen Anspruch, den das Mannheimer Standardwerk stellt: verbindliche Rechtschreibregeln festzulegen. Da ist zwar völlig neu, aber nicht unproblematisch, weil die Geschichte der plattdeutschen Sprache in erster Linie die Geschichte gesprochener Sprache ist. Zwar hat es immer wieder Versuche gegeben, für das regional sehr unterschiedlich gefärbte Platt eine verbindliche Rechtschreibung zu finden, aber selbst Walter Born ("Kleines Wörterbuch des Münsterländer Platt") beläßt es bei Vorschlägen zur Rechtschreibung.
Klaus-Werner Kahl nun legt erstmals Regeln für das im Münster- land gesprochene Plattdeutsch fest. Und weil er sie (in Absprache mit der Kommission für Mundart- und Namenforschung in Münster) sehr konsequent anwendet, verzichtet er auf die Konsonanten- verdoppelung nach kurzem Vokal; eine der grundlegenden (hoch- deutschen) Rechtschreibregeln überhaupt. So wird aus Plattdeutsch mit zwei "t" Platdüütsk mit nur einem. Neu und ebenfalls erstmals in einem Wörterbuch für das Münsterland vorgelegt wird ein Wör- terverzeichnis Hochdeutsch - Plattdeutsch. Es enthält rund 16 000 Stichwörter und Redewendungen, von denen aber einige bei den Sprachbewahrern ebenfalls für zwiespältige Reaktionen sorgen werden. Oder darf man das Sprachvokabular einer Sprache durch Zwangsübersetzungen anreichern wie diese, in der aus Computer ein Diskriäker wird und aus Staubsauger ein Hüülbessen?
    Trotz mancher Entscheidungen, über die sich trefflich streiten läßt, bleibt dieses Verdienst des Autors aus Riesenbeck aber un- streitbar: Sein Wörterbuch legt den Grundstock für eine wissen- schaftliche und zugleich alltagspraktische Auseinandersetzung mit der alten Sprache des Münsterlandes, die im Begriff ist, sich aus der Lebenswirklichkeit immer mehr in die Bücherwelt zurückzuziehen. Auch deshalb ist Kahls Wörterbuch schon jetzt auf dem besten Weg zum Standardwerk.                                   Hans Lüttmann

 

Hier können Sie sich das Original ansehen >> WN

 

Abschrift aus:

Landwirtschaftliches
Wochenblatt
Westfalen - Lippe 

19. Oktober 2000

Was ist ein "Koschitenflännerkawel"? Ein neues "Wörterbuch des Münsterländer Platt" gibt die Antwort - für diesen und 16 000 weitere Begriffe 

Das hat nicht einmal die jüngste Rechtschreibreform geschafft: Auf gerade einmal zwölf Regeln kann Klaus-Werner Kahl die richtige Schreibweise des Plattdeutschen begrenzen - "Ausnahmen sind nicht erforderlich", heißt es klar und eindeutig in dem soeben erschienenen Wörterbuch des Münsterländer Platt (Aschendorff- Verlag, Münster, 39,80 DM). Der Autor Klaus-Werner Kahl, Ingenieur und Heimatfreund aus Hörstel-Riesenbeck hat das Wörterbuch in 15-jähriger Kleinarbeit zusammengetragen. Fachliche Beratung erhielt er von Professor Hans Taubken, dem Leiter der Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
Die zwölf Schreibregeln zum Plattdeutschen eröffnen das 399 Seiten umfassende, gediegen erarbeitete Wörterbuch. In ihm kann man für rund 16 000 hochdeutsche Begriffe nachschlagen, wie sie "up Plat" heißen. Umgekehrt kann man eine gleich große Zahl plattdeutscher Begriffe nachschlagen.
Daß das Plattdeutsche mit hochdeutschen Ausdrücken "überfremdet" sei, beklagt Kahl im Vorwort. Blättert man freilich im Lexikon, so erfährt man recht schnell, daß das Platt immer schon Fremdwörter aufgenommen hat: vom "Paraplü" (Regenschirm) über das "Schamies" (Vorhemd, Hemdkragen) bis zum Perron (Bahnsteig). Warum sollten da jetzt keine neuen Wörter hinzukommen?
Auch eingefleischten Platt-Kennern und -Sprechern dürfte das Wörterbuch noch manche Überraschung bereithalten. Denn wer wüßte schon auf Anhieb, was ein "Gnesebuk", ein "Splaithüüsken" oder ein "Koschitenflännerkawel" ist? Übrigens bestätigt das Blättern im Wörterbuch, was viele immer schon geahnt haben: Das münsterländische Platt kennt bemerkenswert viele Begriffe für "betrunken": vom einfachen "besuopen" über "beswiëmelt" und "machül" bis hin zu "dicke", "kodicke", "dritendicke" und "strumpeldicke" - das ist auf Hochdeutsch wohl  nur noch mit "Filmriß" zu übersetzen. Neben der Bedeutung kann im Wörterbuch auch nachgeschlagen werden, wie der Plural der Wörter gebildet wird und wie sie in Silben getrennt werden. Zeit und Zeitangaben, Zahlwörter und Rechnen auf Platt sowie eine umfassende Tabelle zur Konjugation der unregelmäßigen Verben beschließen den Band. Kurzum: Was dem Hochdeutschen der "Duden" ist der "Kahl" für die plattdeutsche Sprache - zumindest für die des Münsterlandes. Zum Schluß sei für alle, die es sofort wissen wollen, hinzugefügt: Ein "Gnesebuk" ist laut Wörterbuch jemand, der vor Schadenfreude grinst. Das "Splaithüüsken" ist eine Holzwerkstatt, in der Kornwannen hergestellt werden und hinter dem "Koschitenflännerkawel" verbirgt sich nichts anderes als der gemeine  Mistkäfer".                         Str.

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Emsdettener Tageblatt vom 8. November 2000