Wie schreibt man Plattdeutsch?

 
Die hochdeutsche Rechtschreibung, die mehr und mehr in die plattdeutsche Rechtschreibung eingedrungen ist, geht von einem unveränderlichen Wortstamm aus. Auch wenn sich Silbengrenzen ändern bleibt der Wortstamm erhalten. Dadurch sind sehr viele Rechtschreibregeln erforderlich. Da diese für die Plattdeutsche Sprache nicht vorgeschrieben sind, muss es zwangsläufig zu einem Wirrwarr an Schreibweisen kommen. Um dem vorzubeugen bietet es sich an, phonetischen Gesichtspunkten zu folgen. Daher ist der Ausgangspunkt des hier wiedergegebenen Sprachschatzes die gesprochene Silbe in Verbindung mit dem Wortstamm, wie sie in der niederländischen Sprache oder auch im nord- niederdeutschen Sprachraum verbreitet ist. So lassen sich die Regeln auf ein Minimum reduzieren.
 
 
§1 Es gilt die Großschreibung für Wörter am Satzanfang sowie für Hauptwörter und persönliche Anreden.
§2 Ausgangspunkt ist die gesprochene Silbe. Ändern sich die Silbengrenzen, ändert sich auch die Schreibweise.
Beispiele:  Baan = Bahn  >>  Ba·nen = Bahnen; Schien = Schein  >>  Schi·ne = Scheine statt Schiene;
Pin = Stift  >>  Pin·ne = Stifte; plat = flach  >>  plat·te = flache
§3 Der Wortstamm wird berücksichtigt.
Beispiele: Kuorw = Korb statt Kuorf  >>  Küör·we = Körbe; Kring = Kreis statt Krink  >>  Krin·ge = Kreise. 
§4 Worttrennungen erfolgen stets am Silbenende. 
Beispiel: Püüs·ter = Gewehr. 
§5 Das Dehnungs-e wird nur beim Selbstlaut i geschrieben, um Verwechslungen mit dem Umlaut ü bei handgeschriebenen Schriftstücken zu vermeiden.
Beispiele: Wien = Wein; mien = mein; liek = gleich.
§6 Das Dehnungs-h wird nicht verwendet.
§7 Lang gesprochene Selbst- und Umlaute werden am Silbenende einfach geschrieben.
Beispiele: Ve = Vieh; to = zu; mi = mir; = siehe.
§8 Lang gesprochene Selbst- und Umlaute werden in geschlossenen Silben und am Silbenanfang verdoppelt.
Beispiele: Muul = Maul; uut = aus.
§9 Allein gesprochene Selbst- und Umlaute werden einfach geschrieben.
Beispiele: A·pe = Affe; a·wat = ach was.
§10 Kurz gesprochene Selbst- und Umlaute werden einfach geschrieben; daher erübrigt sich die Mitlautverdopplung am Silbenende.
Beispiele: Ülk = Iltis; of = ob; düt = dies.
§11 Das gequetschte e wird durch ein e mit einem Trema ausgedrückt.
Beispiele: guët = gut, Rië·kel = männlicher Hund.
§12 Eine Mitlautverdopplung innerhalb einer Silbe gibt es nicht.

Mit diesen zwölf Regeln lässt sich der plattdeutsche Wortschatz unter Beachtung der nachfolgenden Erläuterungen der Betonung und Aussprache eindeutig schreiben. Ausnahmen sind nicht erforderlich.

Dies gilt für alle plattdeutschen Dialekte, da der Schreibweise die jeweilige Aussprache zugrundeliegt!