skip to content

Platt beleben

K

Präötken - Bronzeskulptur 'Flirt' von Jürgen Ebert

Plattdeutsch beleben

Trotz vieler Befürchtungen hat die niederdeutsche Sprache das zwanzigste Jahrhundert überlebt. Obwohl sie ihre Bedeutung als Alltagssprache auch im Münsterland in erheblichem Maße verloren hat, verstehen noch erfreulich viele Menschen die ursprüngliche Muttersprache. Gleichwohl sind aber nur noch weit weniger  Menschen in der Lage, sie zu sprechen.

Literatur bzw. schriftliche Wiedergaben in Plattdeutscher Sprache gibt es inzwischen unzählig. Doch genau so vielfältig ist die Schreibweise, da sie als Lautsprache wiedergegeben wird. Bedauerlicher Weise ist es aber bis heute noch nicht gelungen, sich auf eine einheitliche Schreibweise zu verständigen. Die Schreibweise der Lautsprache richtet sich vor allem nach der Herkunft des Autors. Dabei mag es nicht verwundern, wenn gleiche Begriffe selbst innerhalb eines Satzes unterschiedlich geschrieben werden. Auch ist es nicht ungewöhnlich, wenn verschiedene Autoren aus dem gleichen Ort die Lautsprache in abweichende Schriftsprachen umsetzen. Für manche Leser ergibt sich hierdurch unweigerlich eine gewisse Verwirrung, und vielleicht verliert er sogar die Freude an der doch so wertvollen heimatsprachlichen Literatur.

Daneben ist eine Überfremdung des Plattdeutschen mit hochdeutschen Ausdrücken nicht zu übersehen.

Um das Plattdeutsche wieder zu beleben und  zukunftsfähig zu machen entstand zunächst in etwa zehnjähriger Vorarbeit das "Wörterbuch des Münsterländer Platt" mit ca. 16.000 Begriffen und Redewendungen. Zeitgleich wurde eine strukturierte Schreibweise mit 12 klaren Regeln entwickelt, mit der man jeden plattdeutschen Dialekt so schreiben kann, wie er gesprochen wird. Das Buch erschien im Jahr 2000.

Schreibern, die die Orthografie lernen und anwenden wollen, wird seit dem Jahr 2003 die Möglichkeit geboten, an einem Schreibkurs teilzunehmen.

Im Jahr 2006 erschein u.a. mit vielen Teilnehmern aus den Schreibkursen das Buch "Usse laiwe Plat", in dem 68 Autoren aus 27 Orten 188 Geschichten und Gedichte in ihrem Dialekt nach der strukturierten Schreibweise veröffentlichten. Die Arbeiten erfolgten im Kreisheimatbund Steinfurt.

Bereits nach dem Erscheinen des "Wörterbuch des Münsterländer Platt" wurden die Arbeiten an einem bebilderten Lexikon aufgenommen, um gemäß dem Motto "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" Begriffe anschaulich zu erklären. KAHLs platdüütske Naokieksel mit ca. 1.300 Begriffen und ca. 1.650 Bildern erschien 2008.

Schon seit 2002 gab es Bemühungen im Kreisheimatbund Steinfurt, das Plattdeutsche wieder am Radio hörbar zu machen. Schließlich gelang es nach intensiven Vorarbeiten im Juli 2010 die erste Bürgerfunksendung über den Lokalsender Radio RST auszustrahlen. Seitdem sind die unterhaltsamen Folgen monatlich als "Radio Knabbelkümpken" zu hören.

Entgegen vieler Erwartungen fragten junge Menschen nach einem Sprachkurs. Dieser wurde auf der Grundlage der 500 meistgebrauchten hochdeutschen Wörter entwickelt und ab 2011 in verschiedenen Orten des Münsterlandes mit überwiegend jüngeren Teilnehmern durchgeführt. Für das Erlernen der Vokabeln erhielt ein Vokabeltrainer aus dem Internet den rund 1.000 Begriffe umfassenden Wortschatz im Jahr 2012. Mit der seit dem selben Jahr unregelmäßig in der Ibbenbürener Volkszeitung erscheinenden Kolumne "Plattdeutsche Wörterkunde" ist es gelungen, das Plattdeutsche wieder in "aller Munde" zu bringen.

Eine große, zeitgemäße Hilfestellung ist ein Programm zur Rechtschreibprüfung von plattdeutschen Dokumenten. Die Basisversion steht seit März 2014 in Mozilla zur Verfügung. Inzwischen gibt es eine neue erweiterte Version.

Von Dichtern gewünscht und für sie gemacht ist das platdüütske Riemwäöderbook mit 80.000 Wörtern. Für die Dichter ist es nach übereinstimmender Rückmeldung eine sehr große Hilfe.

Auch mit Unterstützung durch das Internet seit dem Jahr 2000 ist es offensichtlich gelungen, das Plattdeutsche wieder populärer zu machen und es zu beleben.

 

 

  Aktuell ist/sind 4 Besucher online.