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Schütte, Gerhard: Till Ulenspaigel

50 Vetälsels up Mönsterlänsk Platt

ISBN 978-3-86999-084-2, reich bebildert, ca.  236 Seiten, gebundene Ausgabe (Hardcover), hrsg. Gerhard Schütte, Empire Verlag, Dülmen 2011, €17,80

 

Wer war Till Eulenspiegel? Sicherlich sind wir fast alle irgendwann einmal in unserem Leben mit dem Namen in Kontakt gekommen, selbst wenn wir seine Schwänke nicht gelesen haben. Münsterländer, die der plattdeutschen Sprache mächtig sind, kennen die Redewendung: „Dat is’n aollen Ulenspaigel“.  Sie bedeutet  soviel  wie: „Der hat den Schalk im Nacken“ oder aber  „Der hat es daumendick hinter den Ohren“. Auch redet der Mundartsprecher manchmal von „Ulenspaigelerien“, also Streichen, Possen, Schabernack, Narreteien. 

          
Till Eulenspiegel wurde laut einem Volksbuch im Jahre 1300 in Kneitlingen am Elm geboren. Seine Geburtsstätte weist auch heute noch einen zutiefst dörflichen Charakter auf. Bauliche Tätigkeiten neueren Stils sind rar, die vorherrschenden Gebäude sind die Höfe der Bauern, die das umliegende Land bewirtschafteten. In dieser Idylle erblickte Till das Licht der Welt. Er wurde in der Schlosskapelle seines Taufpaten Till von Uetze in Ampleben, einem Dorf ca. 1,5 km von Kneitlingen entfernt, getauft. Die Taufe selbst soll von dem Abt Arnold Pfaffenmeyer (oder Arnold Papenmeyer) des Aegidienklosters vollzogen worden sein. Zu seiner Herkunft ist in dem Volksbuch folgendes vermerkt: „Bei dem Wald Melme genannt, in dem Land zuo Sachsen, in dem Dorf Knetlingen, da ward Ulnspiegel geborn, und sein vater hiess Claus Ulnspiegel und sein muoter Ann Witcken“ (nach E. Götzinger 1885). Till, der das Erlernen eines Handwerks auch auf Bitten seiner Mutter verschmähte, (5. Historie) widmete sich stattdessen der Gaukelei und wurde Landfahrer. Die Not zwang ihn oft dazu, sich in einem Handwerk zu versuchen, zumal ihm seine Streiche häufig das Lebensnotwendigste vorenthielten. Aber ein Narr war Till Eulenspiegel nur äußerlich. In Wahrheit war er seinen Mitmenschen an Weitsicht, Durchblick, Witz und Geisteskraft weit überlegen. Die Narreteien des Tills waren oft die Folge der Tatsache, dass er eine bildliche Redewendung sehr wörtlich nahm. Dieses Wörtlichnehmen verwendete er  als Mittel, die Unzulänglichkeiten seiner Mitmenschen offen zu legen. Auch ergab sich hieraus die Möglichkeit der Aufdeckung von Missständen und Miseren. Selbst wenn Eulenspiegel kein Handwerk erlernt hatte, muss er doch eine gewisse Grundausbildung gehabt haben. Er muss des Schreibens kundig gewesen sein und über gewisse Lateinkenntnisse verfügt haben. Das war wohl mit Grund dafür, dass die Menschen ihm seine Verkleidungen als Magister und Arzt abnahmen. Sein kluges Auftreten, seine Lebensweisheit und seine Bildung haben dazu beigetragen, dass er sich in den verschiedensten Schichten zu bewegen wusste. So war er selbst bei Königen, Gelehrten, Pfarrern und Bischöfen Gast und konnte ihnen Paroli bieten. Till, der sich in der Hauptsache auf das Totschlagen von kostbarer Zeit verlegte, als Geck und Faulenzer diese Lebensaufgabe erkoren hatte, verstieß in seinem Leben gegen alle Ideale und Wertbegriffe jener Zeit. Arbeit verrichtete er nur, wenn ihn die blanke Not dazu trieb. Aber selbst hier ließ er sich von keiner Vernunft leiten und brachte seine Arbeitgeber Tag für Tag in Rage. Wenn er dann einmal in den Besitz von Geld gekommen war, löste er sich sehr schnell wieder von diesem. Die Tugend des Sparens war ihm fremd. In der Ausübung seiner Narreteien agierte er allein. Nichts war ihm heilig, weder Stand noch Alter, weder Klerus noch Herrschaft. Selbst Kranke, Sieche und Blinde waren vor seinen Anschlägen nicht sicher. Sitte und Moral, Anstand und Ehre waren für ihn keinen Gedanken wert und fanden daher als Maßstäbe gesellschaftlichen Zusammenlebens keine Beachtung. Till Eulenspiegel, so ist dem Gedenkstein in Mölln zu entnehmen, starb hier im Jahre 1350. Sein Leben beschloss er im Heiligeist-Hospital. Das Gebäude in der heutigen Seestraße wird schon in einer Urkunde von 1229 erwähnt. Es war ursprünglich ein Armen- und Siechenhaus.         
In den letzten 200 Jahren wurde immer wieder versucht, die tatsächliche Existenz der Person „Till Eulenspiegel“ zu belegen. In einem Braunschweiger Urkundenbuch fand der Forscher Bernd Ulrich Hucker einen Beleg. Hierin ist zu ersehen, dass 1339 ein Thile van Cletlinge (Kneitlingen) mit vier anderen Angehörigen des niedrigen Adels aus dem Harzvorland wegen Straßenraubes dingfest gemacht worden war. So gab es um 1350 in Kneitlingen drei verarmte Linien dieser Adelsfamilie.



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